ADER Nordmann. Paris. LETTRES & MANUSCRITS AUTOGRAPHES – MUSIQUE

106 .../... entgegen. Du machst mir Hoffnung – Gott lohne es Dir! Ich sage Dir nicht mehr. Aber das muss man wissen, was das ist, mit meinen Gefühlen Deutschland gegenüber zu stehen, Alles vergebens versucht zu haben, um mich dort wieder niederlassen zu können, endlich, widerwillig, sich in Paris ansiedeln zu müssen, eine so leidende Frau zu haben, der ich aus absolut nöthiger Schonung – nur ruhige angenehme Aussichten eröffnen darf, und nun, wo ich die Unterstützung der günstigsten Umstände nöthig hätte, nichts wie Rückgängigkeiten, Verzögerungen und Misgeschick zu erfahren. So auch mit Berlin, von wo ich für diesen Winter auf gar nichts rechnen darf, da Formes die Stimme verloren, und sie geradesweges gar keinen Tenoristen haben. Ach!!! — Nun, von den Wiesbadenern freut mich’s, wiewohl sie nur ihre verfl. Schuldigkeit erfüllen, indem sie mir den Rienzi endlich einmal anständig honoriren: meine 3 ersten Opern haben sie fast umsonst gehabt.[…] Was ich nun dagegen zu Lüttichau’s Grossmuth sagen soll, weiss ich wahrlich nicht! Für den Rienzi u. den Tannhäuser hat er mir seiner Zeit sechzig Louisd’or gezahlt. Ich dachte, er werde nun für den Lohengrin doch wenigstens dasselbe geben; ja, da er gegen Dich ganz besondre Miene machte, und nachdem er jetzt die grosse Zugkraft meiner Opern erfahren, glaubte ich mindestens, er würde sich einmal recht honorig zeigen wollen, und sich etwa bis auf 100 Ld’or versteigen; zumal er erst besonders darüber an den König berichten wollte. – Nun gut, er zahlt mir also diesmal 10 Ld’or weniger als für meine früheren Opern, somit nicht soviel, als mir z. B. München und das viel kleinere Stuttgard bezahlen. Du weisst, dass ich ursprünglich auf gar kein baares Honorar aus Dresden gerechnet hatte, und – will mir’s so denn gefallen lassen, wiewohl der Umstand, dass mein Vorschuss vom seligen König gestrichen ist, viel in meiner Stellung zu Lüttichau ändert. Möge er sich nun Mühe geben, es dahin zu bringen, dass ich selbst nach Dresden berufen werde, um den Tristan dort aufzuführen: setzt er das durch, so vergebe ich ihm nicht nur seine diesmalige Knauserei, sondern erkläre, weder für den Tristan und sonst eines meiner zukünftigen Werke je einen Groschen fordern noch annehmen zu wollen. Kann er diess aber nicht durchsetzen, und will er dereinst eine Neue Oper von mir ohne mich wieder geben, so soll er sich wundern, was er für die Partitur su zahlen haben soll. Es ist zu schändlich wie man bei Euch mit uns armen Teufeln von Autoren umgeht: in Frankreich lachen Einem die Leute geradesweges in’s Gesicht, wenn man ihnen sagt, wie es dort in diesem Bezug steht. — Jetzt noch ein ernstes Wort über das Project mit dem Tristan. Käme es dazu, dass ich wirklich kommen dürfte, nun, so acceptire ich diese erste Aufführung selbst mit der Verzögerung eines halben Jahres. Eines jedoch, mein lieber guter Tcheckel, ist dabei ernstlich zu bedenken. Dass Du in Deinem jetzigen Alter noch diese unglaubliche Rüstigkeit und Frische Deines Organs besitzt, ist ein Wunder der Natur, welches ganz einzig dasteht: ein solches merkwürdiges Geschenk sollte aber mit Bedacht genossen und benützt werden. Hörst Du einmal zu singen auf, so hat es weit und breit ein Ende, und gewisse Aufgaben, wie sie z. B. mein Tristan enthält, sind dann auf gewiss lange Zeit gar nicht mehr zu lösen. Der Pardon de Ploërmel wird sich nach Dir allenfalls noch singen lassen. Aber mich dünkt es wie eine frevelnde Versuchung der Natur, ein so wunderbar kostbares halbes Jahr, während dem sie uns Dich eben noch in Deiner vollen Frische schenkt, mit Allfanzereien zu vertrödeln, und die schwierigsten und höchsten Aufgaben der Kunst auf gut Glück hinauszuschieben. Ich will damit keinesweges den Zweifel aussprechen, als ob ich in einem halben Jahre Dich nicht noch so rüstig finden dürfte, wie jetzt: gewiss nicht! Aber Du sollst nach einem halben Jahre noch viele halbe und ganze Jahre mir gehören: verkürzen wit uns aber diese nicht leichtsinnig und unwiderbringlich, wenn wir jetzt dieses Eine for nichTs und wieder nichts hingeben? — Ueberlege Dir dar doch, und denke nach, ob es nicht besser wäre — vorausgesetzt, ich darf kommen, den Tristan schon früher, vielleicht alsbald vorzunehmen, anstatt die kostbare (auch mir so empfindliche) Zeit nutzlos daran zu geben »... Richard Wagner sämtliche Briefe, Band 11, n° 197 (p. 346-349). On joint la copie par Josephine Rudolph-Tichatscheck (1841-1912), fille du ténor, de trois poèmes composés par Wagner pour les anniversaires de Tichatscheck (ses 50 ans en 1853, son jubilé, et ses 70 ans), faite à Bayreuth en 1878. Provenance : Josef Tichatscheck ; sa fille Josephine Rudolph-Tichatscheck (1841-1912) ; don par elle (« Tante Rudy ») au ténor Ernest Van Dyck ; puis descendance. 216. [Richard WAGNER. Josef TICHATSCHECK (1807-1886)]. 5 documents originaux concernant le ténor, 1840-1863. 400 / 500 € Brevet maçonnique d’admission dans la loge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute de Dresde, 6 avril 1840 (in-plano en partie gravé à en-tête Grosse Landesloge von Sachsen, cachet de cire rouge, fente à pli). Programme du Hof-Concert donné chez la Grande Duchesse Sophie en 1846, avec Jenny Lind et Tichatscheck, qui chantait 4 mélodies, dont deux de Schubert (in-4 gravé). Diplôme d’honneur (Ehrentafel) calligraphié, décerné à Tichatscheck « Hofopernsänger in Dresden » pour le jubilé de ses 25 ans de carrière à la Hofbühne, le 5 août 1862 (42 x 37 cm). Placard imprimé Dem Albewährten Meister der Edlen Sangeskunst… en l’honneur de Tichatscheck pour son jubilé de 25 ans, le 17 janvier 1863, par la société chorale « der Männergesang-Verein “Orpheus” », avec poème célébrant les principaux rôles du chanteur dans Gluck, Mozart, Weber, Meyerbeer et Wagner (Dresden, Ernst & Porteger ; grand folio, vignettes et bordure décorative).

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